Von der hellenistischen Apoikia zur römischen Kolonie. Die Siedlungs- und Verwaltungsgeschichte einer Koloniestadt am Beispiel Antiochia ad Pisidiam
2017
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Advisor: Yrd. Doç. Dr. Burak Takmer
Abstract (EN)
Das Ziel dieser Arbeit ist die politische Entwicklung einer Stadt, die von der hellenistischen apoikia zur römischen Kolonie und dann im 4. Jahrhundert n. Chr. zur Metropolis einer Provinz entwickelt ist, durch die antiken Quellen, epigraphischen, archäologischen und numismatischen Belegen zu untersuchen und vorzulegen. Antiocheia soll als eine Stadt, die nach den Mitgliedern der seleukidschen Dynastie benannt worden ist, im 3. Jahrhundert v. Chr. durch die Aktivitäten der Seleukiden in Anatolien gegründet worden sein. Auf jeden Fall kann gesagt werden, dass die Kolonien, unter denen auch Antiocheia, gegen die galatischen Züge als Bollwerk aber auch zur Kontrolle der Wege zwischen der ägäischen Welt und Syrien eine strategische Funktion gehabt haben. Die Überlieferung von Strabon, dass in die Stadt Kolonisten aus Magnesia ad Maeandrum gebracht sind, ist durch einen in Magnesia ad Maeandrum gefundenen Beschluss des Rates der Stadt Antiochia Persidis, unter ihrer Bürger auch Magnesier lebten, bewiesen. Von den durch einen Befehl von Antiochos III Megas unter Zeuksis in Lydia und Phrygia gesiedelten 2000 jüdischen Familien sind wohl einige nach Antiocheia gekommen. Auf einer in Antiocheia ans Tageslicht gekommenen Inschrift ist eine Menora zu sehen, die ein Symbol des jüdischen Glaubens ist. Außerdem wird in der Quelle namens Acta apostolorum die jüdische Bevölkerung und eine Synagoge erwähnt. Beide Belege zeigen eindeutig die Existenz der Juden in der Stadt. Obwohl die Stadt von Antiochos I Soter oder Antiochos II Theos gegründet worden ist, gibt es in Antiocheia keine Inschrift aus der hellenistischen Zeit. Daher bleibt die einschlägige Geschichte der Stadt weitgehend im Dunkel. Jedoch kann durch andere Belege gesagt werden, dass Antiocheia unter den Städten ist, die zum für Artemis Leukophryene organisierte Fest (das erste spätestens im Jahr 207/6) mit dem Beschluss des Rates von Magnesia eingeladen ist. Dieser Beleg beweist, dass die engen Beziehungen zwischen der Metropolis und der Kolonie bis 2. Jahrhundert v. Chr. gedauert hat. Außerdem geht die Geschichte des in der Nähe von Antiocheia befindlichen Men Askaenos Heiligtums ganz sicher bis 2. Jahrhundert v. Chr. zurück. Denn es gibt zwischen den Plänen der Tempel im Men Heiligtum und den Tempel Artemis Leukophryene und Zeus Sosipolis in Magnesia ad Meandrum eine sehr große Ähnlichkeit. Das zeigt, dass Magnesia auf die Stadt außer politischem auch kulturellem Einfluss geübt hat. Men Tempel hat mit dem Ma Tempel in Komama (Kappadokien), mit dem Zeus Tempel in Venesa (Morimene Gebiet), mit dem Ma Tempel in Komama (Pontos), in Zela mit dem Tempel der persischen Göttin Anaitis und in Kabeira mit dem Men Tempel; in Pessinus (Phrygien) mit dem Tempel der Muttergottheit eine ähnliche Organisation. Und das weite Gebiet des Men Tempels in Antiocheia, das im Aufsicht eines Priesters stand, wurde von vielen heiligen Sklaven bearbeitet. Die seleukidsche Hegemonia in Antiocheia hat mit dem Apameia Abkommen ihr Ende gefunden. Durch dieses Abkommen wurde die Stadt von Roma zur civitas libera erklärt. Die Autonomie von Antiocheia wurde beendet, als die Stadt im Jahr 39 v. Chr. von Antonius zum König erklärten Amyntas überlassen wurde. Nach dem Actium Krieg hat auch Octavianus Amyntas als König erkannt. Als Amyntas im Jahr 25 v. Chr. im Kampf gegen die Homanadeis starb, wurde in seinem Gebiet die Provinz Galatia gegründet und zu dieser Provinz West Pamphylien hinzugefügt, das damals zur Provinz Asien gehörte. Die ersten 30 Jahre der neuen Provinz waren wegen der Bemühungen, die die Pazifizierung der Pisidiern und Homonadeis zum Ziel hatten, ziemlich schwierig. Zur Verwirklichung dieses Ziels wurde von Augustus in Pisidien und Lykaonien militärische Kolonien (coloniae militum/ἀποικίαι στρατιωτῶν) gegründet; Antiocheia, Olbasa, Komama, Kremna, Parlais, Ikonion und Lystra. Die im Jahr 6 v. Chr. fertiggestellte Via Sebaste verband diese Kolonien miteinander und mit den Häfen von Pamphylien. Auf an diesem Weg gefundenen 9 Meilensteinen sind Entfernungsangaben erhalten. Da auf diesen Meilensteinen als caput viae Antiocheia erscheint, wird es klar, dass Antiocheia mit dem Namen Colonia Caesarea römische Kolonie gemacht und das Zentrum dieser Kolonien wurde. Die numismatischen Funde belegen, dass dieser Vorgang gleich nach dem Tod von Amyntas im Jahr 25 geschehen ist. Ansonsten wurde der Kolonie das ius Italicum verliehen. Die Ursachen zur Gründung der Kolonie kann zusammengefasst werden; 1) um einen geeigneten Platz für die Veteranen zu finden, 2) um in einer Provinz ohne eine stationierte Legion die aufständischen Stämme zu kontrollieren, 3) um nach dem Sieg über diesen Stämme diese mit der römischen Regierung zu versöhnen und in ein Gebiet, wo sogar die Hellenisierung ziemlich schwach war, römische Akkulturation zu bringen. Für diesen Zweck wurde in der Stadt für den Kampf gegen Homanadeis die Veteranen von Legio V Gallica (nacher wurde als Macedonica benannt) und von Legio VII (nacher wurde ebenfalls als Macedonica benannt) gesiedelt. Die Namen der Veteranen und ihrer Nachkommen verraten, dass sie aus Latium, Etrurien, Gallia Cisalpina und Gallia Narbonensis rekrutiert wurden. Einige davon, die für Antonius gekämpft haben, könnten negotiatores, die ihren Wohnsitz in Anatolien haben oder anatolisch stämmige peregrini gewesen sein. Die Demographie der Stadt, die bevor römische Kolonie wurde, aus phrygisch, pisidisch, griechisch, makedonisch und jüdisch stämmigen Siedlern besteht, wurde, nach dem die Stadt von Augustus römische Kolonie gemacht ist, durch die italisch stämmigen Kolonisten nochmal geändert. Die Inschriften belegen dieses kosmopolitische Gebilde und die Verschmelzung der verschiedenen ethnischen Komponente. Nachdem die Stadt zur römischen Kolonie erklärt wurde, hat es sich in der Verwaltung der Stadt wichtige Änderungen gegeben. Als Beispiel diente Rom und die Stadt wurde auf sieben Hügel errichtet. Außerdem wurde das Territorium der Stadt durch eine Anordnung von Augustus im Jahr 7 v. Chr. in 14 Regionen und in 265 vici (in der Zeit von Constantinus wurde die Zahl der vici 308) geteilt. Wie in Rom waren Untereinheiten der Verwaltung der vicus. Daher ist es wohl kein Zufall, dass es in Antiocheia 7 vici die gleichen Namen wie in Rom haben: Vicus Aedilicus; Vicus C(G)ermalus; Vicus Patricius; Vicus Salutaris; Vicus Tuscus; Vicus Velabrus und Vicus Venerius. Die Kolonie wurde außer vicus auch in tribus geteilt, deren Zahl nicht bekannt ist. Von diesen ist nur der tribus Romana belegt. Das zeigt, dass vicus, nicht der pyle in den griechischen Polis entspricht, sondern die Stadtviertel vertritt. Da alle Bürger der Kolonie in der Sergia Tribus eingetragen sind, ist die Organisation der Tribus in Antiocheia entsprechend den curiae in Malaca als eine Art von Wahlbezirk zu denken. Die Stadt erhielt in der Zeit von Septimius Severus den Titel Socia Romanorum. Dieser Titel ist auf den Münzen der Stadt in der abgekürzten Form als SR zu sehen. Der Prozess der Kolonisierung hat die komplette Veränderung der Verfassung und der Institutionen zur Folge. Obschon keine Quelle über die Verfassung der Kolonie entdeckt wurde, zeigen die epigraphischen Funde, durch die wir über die Institutionen und das Beamtentum erfahren, dass die vollkommen identisch mit der in Lex Coloniae Genetivae Iuliae beschriebenen Verfassung war. Mit Hilfe dieser Informationen wird klar, dass in der Kolonie ordo decurio und populus, bule und demos ersetzten. Die Verwaltungsbeamten waren duumviri, aedilis und praefectus. Als Mitarbeiter dieser Beamten wurden scriba, und als deren Untergebene scriba quaestori geschaffen. Als Finanzbeamten gab es quaestor und duumviri quinquennales. Nachdem die Stadt Kolonie gemacht wurde, ist der Men Askaenos Tempel unter die Aufsicht der Kolonie gekommen und für den Schatz des Tempels trug curator arcae sancturii die Verantwortung. Das ist eine Besonderheit der Verfassung von Antiocheia. Religiöses Beamtentum wurde auch von Rom übernommen: augures, pontifices; flamines und sacerdotes und quindecemviri sacris faciundis. Für Liberti gab es seviratus. Ab dem 3. Jahrhundert n. Chr. sehen wir als Verwaltungsbeamten grammateus, gymnasiarkhes, strategos, epistates, agoranomos; und für die Organisation der Feste agonothetes, brabeutes ve ksystarkhes. Diese Beamten existierten in der Verfassung der Kolonie nicht waren aber in der griechischen Welt wichtig. Als Folge der gotischen Überfälle und erneut auftretende Räuberei wurden ab der zweiten Hälfte des 3. Jahrhundert n. Chr. neue Beamten paraphylaks, eirenarkhes, hekatontarkhos ve beneficarius geschaffen, die für die Sicherheit verantwortlich waren. In der gleichen Zeit wurde, um die Getreideknappheit und die Schwarzmarkt zu verhindern und um die Preise stabilisieren λογιστὴς σειτηρεσίου geschaffen. Wieder in der gleichen Zeit wurde für die lokalen Kulten neue Priesterstellen geschaffen und die alten wurden belebt. Unter diesen sind Asklepios, Dionysos, Patrios Theos Men und Demeter Priester bekannt. Alle diese Belege zeigen ganz eindeutig, dass es in der Kolonie Einflüsse existierten, die nicht römisch waren. Anders gesagt, venetiones und Gladiatorenkämpfe sprachen vielmehr die Kolonisten an, aber unter Aufsicht der ξυστάρχης organisierten οἱ ἐν κολωνείᾳ ἀγῶνες sprachen die incolae und attributi an. Die in der späteren Zeit geschaffenen Beamtenstellen, gymnasiarkhes und ksystarkhes beziehen sich auf diesen. Die Ortschaften, wo die Kolonisten lebten, waren äußerst fruchtbar (super abundandi messe) und lagen, wie Strabon erzählt, gleich südlich von κοινὴ ὁδός. Das hat zur Folge, dass die Bewohner reich wurden und die Stadt viele Senatoren (z.B. Caristanii, Anicii, Calpurnii, Iulii, Flavii, Gellii, Sergii, Paulii, Novii, Priscii) und relativ viele Reiterklassenangehörige hervorgebracht hat. Die Zunahme der Stadteinwohner in der frühen Zeit hängt nicht davon ab, weil die Bewohner italisch stämmig waren, sondern davon ab, weil die Gouverneure der Provinz Galatia eine wohlwollende Haltung gegenüber der Kolonie hatten (s. die als patroni coloniae geehrten Gouverneure der Galatia). Außerdem gab es sehr gute Beziehungen zwischen der Kolonie und Kaiserfamilien und auch deren Freunde. Wenn tatsächlich Tiberia Platea in der Zeit von Tiberius errichtet ist, zeigt das die enge Beziehung mit ihm. In ähnlicher Weise wurden Drusus (der Bruder von Tiberius) und seine Freunde P. Sulpicius und M. Servilius als C. Cariatanius Fronto Caesianus Iulius praefectus war; Cn. Domitius Ahenonbarbus, wem Tiberius Agrippina Minor als Ehefrau gab, als P. Anicius Maximus praefectus war, Ehrenduumvir der Stadt. Außerdem kann man den Namen Agrippina, den der Senator Iulius Paulus seiner Tochter gab, in diesem Zusammenhang sehen. Es ist auch bekannt, dass Caristanii Familie Claudius einen Sklaven verkauft hat. Zusammengefasst wird es klar, dass die Familien Caristanii, Iulii und Anicii mit den Angehörigen der Kaiserfamilie gute Beziehungen pflegten. Es ist nicht bekannt, an wie vielen einheimischen Bewohner der Stadt die Bürgerschaft der Kolonie verliehen wurde. Lokale Sitten und Kulten, die die Beziehungen der Stadt mit Pergamon, Ankyra, Ephesos, Attaleia usw. zeigen, existierten weiter. Latein wurde in der Kolonie als Verwaltungssprache lange Zeit benutzt. Besonders ist die Sprache der Ehreninschriften für die Kaiser, die Provinzgouverneure und für die Eliten der Stadt lateinisch. In der Münzprägung, die bis zur Claudius II Zeit gedauert hat, sind Legenden in der lateinischen Sprache. Trotzdem sind die Protokolle der Dekurionen, die nicht vor 295 n. Chr. datiert werden in der griechischen Sprache geschrieben. Fast alle Grabinschriften, Votivinschriften für Men und die für die Privatpersonen von den Angehörigen errichteten Inschriften sind griechisch. Griechisch sind auch fast alle Inschriften die in Sağır und Kumdanlı gefunden sind. Alle diese Inschriften sind ins 3. Jahrhundert n. Chr. datiert und berichten von einer religiösen Gruppe namens Ksenoi Tekmoreioi gemachten Geldspenden. Wie oben erwähnt, Antiocheia verliert seit der zweiten Hälfte des 3. Jahrhundert n. Chr. allmählich seine koloniale Identität und nachdem die Provinz Pisidia (zwischen 308 und 311 n. Chr.) gegründet und Antiocheia die Metropolis der neuen Provinz wurde, hat die Stadt ihre koloniale Identität vollständig eingebüßt. In der Zeit von Diokletian und Konstantin wurde Antiocheia die Metropolis der selbständig gemachten Provinz Pisidia und viele Gebäude wurden repariert. Es kann gesagt werden, dass durch die Veränderung in der Verwaltung die frühe Kolonie eine große Bedeutung bekam und einen großen Wohlstand erreichte. Die relativ großen Geldspenden der Ksenoi Tekmoreioi, deren Mitglieder wohl in großer Zahl im Territorium der Kolonie lebten und bis in die ziemlich späte Zeit gedauerte Münzprägung zeigen, dass die Stadt ihren Wohlstand sehr lange erhalten hat. Das wichtigste Resultat der Verwaltungsänderung ist, dass die Verordnung der Kolonie außer Kraft gesetzt wurde und die Institutionen der Stadt neu gestaltet wurden. Die epigraphischen Belege zeigen die um der Kirche organisierten Institutionen der Stadt; arkhiepiskopos, episkopos, anagnostes, diakonos, epistates, pater poleos (pater civitatis), presbyteros ve praepositus. Mit der Verlegung der Handelsrouten verlor die Stadt ihre Bedeutung. Dennoch blieb sie in der Zeit von Iustinianus der Bischofsitz von Pisidien. Im Jahr 713 n. Chr. griffen die Araber unter Führung vom General Abas gegen das römische Reich. Dabei wurde Antiocheia erobert und es wurde viele Gefangenen gemacht. Trotz dieser Zerstörung kann man die Geschichte von Antiocheia bis ins 13. Jahrhundert n. Chr. verfolgen. Die Stadt wird zuletzt in Notitia episcopatuum zwischen 1259 und 1282 erwähnt. Der Name von Antiocheia ist im zweiten Viertel des 14. Jahrhunderts n. Chr. geschriebenen Reiseberichten von Ibni Batuta nicht mehr zu sehen. Daher ist wohl anzunehmen, dass die Stadt im der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts n. Chr. nicht mehr existierte.
Author
Dr. Gülcan Kaşka
Institution
How to Cite
Gülcan Kaşka (Doctorate thesis). Von der hellenistischen Apoikia zur römischen Kolonie. Die Siedlungs- und Verwaltungsgeschichte einer Koloniestadt am Beispiel Antiochia ad Pisidiam, 2017, Akdeniz University.
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